Evangelische Kirchengemeinde Kenzingen

16. Sonntag nach Trinitatis,
Vorstellung des neuen Konfirmandenjahrganges,
Psalm 24

Konfirmanden 2002 Im Altarraum ist eine geschlossene Tür aufgestellt, die während des Gottesdienstes geöffnet wird, durch diese gehen dann die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden hindurch, um der Gemeinde dabei vorgestellt zu werden.

Begrüßung:

Liebe Gemeinde! In diesem Gottesdienst wollen wir unsere neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden in unserer Mitte Willkommen heißen und begrüßen, darüber hinaus auch die Namen der Kandidatinnen und Kandidaten bekannt geben, die sich bei der kommenden Kirchenwahl im November zur Wahl stellen werden.

Wir sehen hier eine geschlossene Tür. Wer etwas Neues erfahren will, muss durch Türen hindurch, muss sie öffnen, sich auf den Weg machen. Türen sind ein Bild für unsere Offenheit oder Verschlossenheit. In dem wir diese Tür nachher öffnen, wollen wir Euch deutlich machen, dass wir auch für Euch offen sind, für Eure Fragen, Ideen und Anregungen, so dass Ihr jetzt eingeladen seid, auch für den Konfirmandenunterricht offen zu sein, für Glaube und Kirche. Damit greifen wir ein Bild auf, das bei unserer letzten Konfirmation eine große Bedeutung hatte, das Bild der Herzenstür."Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!" (Ps.24,7)

Gebet:

Konfirmand:
Herr, wir kennen das, verschlossene Türen, die einen Raum vom anderen trennen, innen und außen, Freund und Feind, Menschen von Menschen, Bekanntes von Unbekanntem, die Neugier vom Geheimnis. Hinter einer Tür, da sind wir sicher, da sind wir geschützt, geborgen, da sind wir unter uns, da kennen wir uns, da sind wir allein oder unter uns.
Konfirmandin:
Türen können verschließen. Draußen vor der Tür, da fühlen wir uns manchmal unsicher. Doch wir werden auch neugierig, was sich hinter einer Tür verbirgt? Sie lädt ein, sich öffnen zu lassen, zu sehen, was sich hinter ihr erschließt?
Konfirmand:
Offene Türen laden ein. Eine offene Tür wird zum Symbol für die Freude am Entdecken, was mag es Neues und Anderes geben, die Lust an der Veränderung, die Sehnsucht nach Leben.
Konfirmandin:
Jeder von uns geht das Wagnis ein, durch Türen zu gehen. Wir stehen auf der Schwelle mit unserer Angst vor dem, was kommen mag, unserer Neugier, unserer Sehnsucht, unserer Hoffnung. Machen wir die Türen auf, öffnen wir uns - wie eine Tür - für das Leben, für alles Neue und für dich, unseren Gott! Amen.

Text:

Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt,
das Land und die darauf wohnen.

Wer hat Zutritt zum Berg des Herrn,
wer darf stehen am Heiligen Ort?

Der reine Hände hat und ein lauteres Herz,
der nicht heuchelt und nicht betrügerisch schwört.

Der Herr schenkt ihm Glück und Gedeihen,
Gott hält zu ihm und hilft.

Hier ist ein Volk, das doch sucht.
Gott Jakobs, es fleht, dass du nahst.

Nun öffnet euch weit, Ihr Türen!
Ihr alten Tore geht auf,
der große König will einziehen.

Wer ist dieser große König?

Der Herr ist es, stark und gewaltig,
der Herr, gewaltig im Kampf.

Nun öffnet euch weit, ihr Türen!
Ihr alten Tore geht auf!
Der große König zieht ein.

Wer ist dieser große König?

Der Herr ist es.
Er ist der König der Ehre.


Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
liebe Gemeinde,

Heute wollen wir Euch Konfirmandinnen und Konfirmanden in unserer Gemeinde begrüßen und herzlich Willkommen heißen. Für viele von Euch ist der Konfirmandenunterricht ja ein erster richtiger Kontakt mit Eurer Gemeinde, dem Gottesdienst, letztlich mit der Kirche, in die ihr vor vielen Jahren hinein getauft wurdet, sieht man vom Religionsunterricht einmal ab: Herzlich Willkommen in unserer Mitte.

Wer einen anderen Menschen begrüßen und Willkommen heißen will, der muss die Haustür aufmachen, sogar weit aufmachen, um ihn einzuladen und einzulassen. Wer seine Türen verschlossen hält, wird kaum je Besuch bekommen oder aus dem Haus gehen können, um Neues und Anderes zu erfahren. Wir müssen unser ganzes Leben durch Türen hindurch, wollen wir unsere Wohnung verlassen oder in sie heimkehren, selbst dann, wenn wir nur von einem Zimmer in ein anderes gehen.

Wir gehen durch eine Tür, weil wir jemanden suchen oder besuchen möchten, weil wir jemanden verlassen, - weil wir neugierig sind, was es hinter dieser Tür wohl zu entdecken gibt, - weil wir Langeweile haben und daher von Zimmer zu Zimmer gehen, - weil wir ein Geräusch hören, das uns neugierig macht, - weil wir etwas holen müssen, - weil man allein sein will, weil man an seinen Arbeitsplatz oder zurück in die Freizeit gelangen möchte - immer werden wir durch Türen hindurch müssen, die uns in den Weg gestellt sind, mal offen, ein anderes Mal verschlossen. Und immer, wenn ich durch eine Tür hindurch gehe, verändert sich mein Blickwinkel.

Ist es denn nicht ein Unterschied, ob ich durch eine Tür in meine Schulklasse gelange oder in mein Schlafzimmer, an den Arbeitsplatz oder auf dem Weg zu meinem Hobby bin? Eine Geschäftstür wirkt anders auf uns, als eine Kirchentür, die offene Tür zu einer Sporthalle kann mich reizen, wenn ich gern Sport betreibe, mich aber kalt lassen, wenn ich ein Sportmuffel bin. In jedem Fall muss ich durch eine Tür, wenn ich mich auf den Weg mache.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit! Aus den altbekannten Worten eines Adventsliedes kennen wir das Psalmwort, welches wir eben hörten. Es ist ein uraltes Wallfahrtslied, das vermutlich einmal von zwei Gruppen vor einem der großen und großartigen Tempeltore in Jerusalem gesungen wurde. Nach einer gefährlichen Wanderung ist man endlich am Ziel angekommen. In einer langen Prozession ziehen die Menschen zum Tempel, an den Ort, wo man die Gegenwart Gottes in ganz besonderer Weise glaubt und begehrt Einlass mit den Worten: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Und von innen antworteten die Priester, die am Tempel ihren Dienst versehen.

Es muss ein gewaltiges Schauspiel gewesen sein, wenn Tausende von Wallfahrern auf den Tempelberg zuwanderten, allen voran die Bundeslade, dem Thronsitz ihres Gottes. Vor dem geschlossenen Tor wird unser Psalmlied angestimmt: "Hebet Tore, eure Häupter, erhebt euch, Pforten der Weltzeit, dass der König der Ehre einziehe!" - und von innen wird zurück gefragt: "Wer ist der König der Ehre?" Und die Pilger antworteten: "Er sieghaft, ein Held, er, mutig im Kampfe", um dann erneut Einlass zu begehren: "Hebet Tore eure Häupter, hebt sie, Pforten der Weltzeit!"

Danach werden die gewaltigen Portale zum Tempel geöffnet und die Bundeslade feierlich an ihren Platz gebracht. So kommt Gott erneut sinnbildlich durch die großen Tore des Tempels und in die Herzen der Gläubigen nach Hause. Wer Gott begegnen will, muss sich auf den Weg machen, ja, Gott selbst werden wir nur auf unseren Lebenswegen entdecken. Wer dort bleibt, wo er schon immer war, wird in der Regel weder andere Menschen noch Gott finden, der lebt verschlossen in sich selbst und für sich selbst.

Türen gehören zu unserem Leben. Zwei Türen haben mich auf meinem Lebensweg sehr eindrucksvoll begleitet. Es waren unsere Haustüren. Über der Haustür meiner Kindheit stand, weil es eine alte Schule war, das bekannte Wort: "Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir". Diesem hohen Anspruch keineswegs immer gerecht werdend, zog ich es damals vor, lieber gleich durch die Hintertür das Haus zu betreten. Nach einem Umzug stand dann der lateinische Satz über der neuen Tür: "Porta patet cor magis". "Die Tür ist offen, das Herz noch weiter" - ein schönes Wort über der Tür eines Pfarrhauses. Ein tolles Wort - im übertragenen Sinne - für den Umgang von Menschen miteinander und mit Situationen im Leben: Porta patet cor magis, die Tür ist offen, das Herz noch weiter.

Wir haben jetzt das Konfirmandenwochenende miteinander verbracht, wir haben uns über die Liturgie unseres Gottesdienstes unterhalten, wir waren im Gemeindezentrum, in der Kirche, ja vor wenigen Tagen sogar auf dem Glockenturm, und immer mussten wir neue Türen durchschreiten, um andere Erfahrungen machen zu können. Ihr seht hier die noch verschlossene Tür, die wir im Altarraum aufgebaut haben. Eine verschlossene Tür verstellt uns den Blick, sie wirkt wenig einladend auf uns. Doch gleich wollen wir sie sinnbildlich öffnen, um Euch zu zeigen, Ihr seid uns Willkommen. Euch, einem jeden, einer jeden von Euch stehen alle Türen in unserer Gemeinde offen - und damit alle Kreise und Gruppen, die kirchenmusikalischen Möglichkeiten, jede Aktivität, die in unserer Mitte angeboten wird, bis hin zu unseren Gottesdiensten.

Stoßt Türen auf, seid neugierig, was es in unserer Mitte zu erfahren gibt. Öffnet Euch mit Euren Fragen, Eurer Neugier für den Glauben an Gott, der hier in unserer Mitte gemeinsam bekannt wird, dem wir begegnen können, wenn wir selbst uns für ihn öffnen. Die Konfirmandenzeit kann so eine Zeit der inneren Auseinandersetzung werden, um mich mit dem Glauben meiner Kirche auseinander zusetzen, mich vielleicht sogar neu oder wieder einmal der Frage nach dem Glauben zu stellen.

Manche von Euch kennen sicher den großartigen Fußballer und Mittelstürmer Heiko Herrlich von Borussia Dortmund, der sich an einem Gehirntumor operieren lassen musste. Von ihm sagen Mitspieler: "dass er auf dem Klo sitzt und die Bibel liest ...", aber gerade diese Verbundenheit mit dem eigenen Glauben hat ihm geholfen, seine Krankheit zuversichtlich tragen zu können, ohne die Hoffnung und sich selbst aufzugeben. Wir möchten Euch einladen, unseren Glauben so kennen zulernen, dass er auch Euch auf allen Euren Wegen, durch alle Höhen und mancherlei Tiefen begleiten kann und damit wirklich ein tragfähiger Glaube ist.

Israel erlebt seinen Gott auf den Wanderungen durch die Wüsten von Ägypten in das ihnen einmal versprochene Land. Dabei trug man die Bundeslade dem Volk voran, in denen die Gesetzestafeln lagen, die jederzeit an den Bund mit Gott erinnerten. Sie fand dann ihren Platz im Tempel, womit man Gott vor allem dort gegenwärtig glaubte. Israel lernt, seinen Gott mitwandernd zu erleben, wie später dann im Tempel anzubeten. Ein Gott, der sich auf den Weg macht, weil sein Volk auf dem Weg ist. Und wieder später muss Israel lernen, dass Gott überall dort ist, wo Menschen an ihn glauben, denn der Tempel wird zerstört, die Bundeslade geraubt.

Wir können Gott nicht auf einen Ort festlegen, er ist wirklich dort, wo wir an ihn glauben, mit ihm leben, er ist dort, wo Menschen weltweit zusammenkommen, um sein Wort zu hören, zu beten, zu loben und zu danken, das Abendmahl zu teilen und den Glauben durch die Gemeinschaft zu stärken. Niemand von uns kann sich seinen Glauben allein geben, es sei denn den an sich selbst. Einen solchen Glauben sollten wir aber nicht mit dem Glauben an Gott verwechseln, es wäre ein (nicht einmal sehr frommer) Selbstbetrug.

Gleich werden wir Euch Eurer Gemeinde namentlich vorstellen, dabei soll die Tür dort geöffnet werden, weit offen sein, um Euch zu zeigen, dass wir alle Euch in Eurer Gemeinde Willkommen heißen: "Porta patet cor magis". "Die Tür ist offen, das Herz noch weiter". Die offene Tür als Bild einer auch für Euch offenen Gemeinde, einer Kirche, die sich niemandem verschließt und einem Glauben, der uns auch in den Wüsten unseres Lebens die Nähe Gottes spüren lässt. Vieles gibt es in unserer Gemeinde, was sich sehen lassen kann: unterschiedlichste Kreise und Gruppen, in denen miteinander gesprochen, nachgedacht, musiziert, gefeiert, wo Freizeit sinnvoll verlebt wird. In unserer Mitte gibt es Fest und Feier, ebenso aber auch Anteilnahme und Fürsorge. Seid neugierig darauf, durch geöffnete Türen zu sehen und zu gehen und Eure Gemeinde, unsere Kirche zu entdecken und zu erleben.

Wir wünschen Euch, Euren Eltern und Familien, unserer ganzen Gemeinde, dass die Konfirmandenzeit viele Türen aufstößt, dass Schwellen, die einem vielleicht sogar ein wenig Angst gemacht haben, überschritten werden und dass wir uns in unserer Gemeinde die Türen ebenso füreinander aufhalten, wie unsere Herzen. Seid uns herzlich Willkommen.
Amen.


Letzte Änderung: 07.10.2001
Pfr. Hanns-Heinrich Schneider