aus: Michael Ende, Die Zauberschule
Ein alter Lappe saß jeden Tag auf einer Treppe, die zu einer
Kuppel hinaufführte. Deshalb hieß er der Kuppeltreppen-
lappe.
Der kleine Seppel, der ein gutes Herz hatte, brachte ihm ab und
zu einen Teller Suppe und sagte: "Hier bringe ich dir deine Kup-
peltreppenlappensuppe."
"Fein", antwortete der Lappe, "dann bist du also der Kuppeltrep-
penlappensuppenseppel. Und zum Dank für deine Freundlichkeit
schenke ich dir hier meine bunte Kappe."
Da hatte der kleine Seppel nun also eine Kuppeltreppenlappen-
suppenseppelkappe. Er setzte sie stolz auf seinen blonden Schüp-
pel, man könnte auch sagen, auf seinen Kuppeltreppenlappensup-
penseppelkappenschüppel.
Als die Zeit herankam, daß der kleine Seppel sich wieder einmal
beim Friseur die Haare schneiden lassen mußte, da fielen die gan-
zen Schnippel auf den Boden, alles lag voll mit den Kuppeltrep-
penlappensuppenseppelkappenschüppelschnippeln. Der Friseur
kehrte sie sorgfältig zusammen, aber er warf sie nicht weg, denn er
wußte wohl, daß es sich da um etwas Besonderes handelte. Darum
tat er die Schnippel in eine besonders, dafür hergestellte Mappe,
man könnte auch sagen, in eine Kuppeltreppenlappensuppensep-
pelkappenschüppelschnippelmappe. Diese Mappe verwahrte er in
seinem Schuppen, das war nun also sein Kuppeltreppenlappensup-
penseppelkappenschüppelschnippelmappenschuppen.
Bis hierher ist die Geschichte noch verhältnismäßig einfach,
aber jetzt wird sie kompliziert.
Eines Tages kam nämlich ein Trapper, der hatte das Kinn voller
Bartstoppeln. Er war eben ein richtiger Stoppeltrapper, denn er
kam nicht oft dazu, sich zu rasieren, weil er in der Steppe lebte.
Darum hieß er der Steppenstoppeltrapper. Obwohl er sonst ein
starker Mann war, fühlte er sich diesmal ganz elend und schwach.
Man könnte auch sagen, er war ein schlapper Steppenstoppeltrap-
per. Er hatte nämlich die Grippe, die sogenannte Schlapperstep-
penstoppeltrappergrippe. Und weil er Fieber hatte und nicht mehr
weiterkonnte, legte er sich einfach in den bewußten Schuppen des
Friseurs, also in den Schlappersteppenstoppeltrappergrippenkup-
peltreppenlappensuppenseppelkappenschüppelschnippelmappen-
schuppen.
Als der Friseur das bemerkte, beklagte er sich bitter, weil die
ganze Sache nun sogar für ihn unsäglich schwierig wurde. Bei dem
Versuch, den Namen seines Schuppens auszusprechen, bekam er
einen richtigen Rappel. Aber das machte alles nur noch schlim-
mer, denn das war ja nun, mit einem Wort gesagt, ein Schlapper-
steppenstoppeltrappergrippenkuppeltreppenlappensuppenseppel-
kappenschüppelschnippelmappenschuppenrappel. In seiner Ver-
zweiflung rief er zwei stadtbekannte Rüpel zu Hilfe, die sollten
den Trapper wegjagen. Diese Rüpel waren aber Zwillinge und hie-
ßen deshalb die Doppelrüpel. Diese zwei bildeten auf der Stelle
eine Spezialtruppe für ihre überaus schwierige Aufgabe und nann-
ten sich die Schlappersteppenstoppeltrappergrippenkuppeltrep-
penlappensuppenseppelkappenschüppelschnippelmappenschup-
penrappeldoppelrüpeltruppe.
Sie marschierten zu dem Schuppen, umstellten ihn und forder-
ten den schlappen Trapper auf, sich unverzüglich zu ergeben. Aber
der war inzwischen wieder einigermaßen bei Kräften und griff
sich einen Knüppel, man könnte auch sagen, einen Schlapperstep-
penstoppeltrappergrippenkuppeltreppenlappensuppenseppelkap-
penschüppelschnippelmappenschuppenrappeldoppelrüpeltrup-
penknüppel, und damit verhaute er die Zwillinge so, daß sie klein
beigeben mußten und die Flucht ergriffen. Sie hinkten und hop-
pelten in einer malerischen Gruppe von dannen, sozusagen in
einer Hoppelgruppe, und alle Leute, die es sahen, lachten und
nannten sie die Schlappersteppenstoppeltrappergrippenkuppel-
treppenlappensuppenseppelkappenschüppelschnippelmappen-
schuppenrappeldoppelrüpeltruppenknüppelhoppelgruppe.
Das war den Doppelrüpeln natürlich sehr peinlich, und sie san-
nen auf Abhilfe.
In derselben Stadt gab es einen Erfinder, der sehr lebensechte
Puppen bauen konnte. Bei ihm bestellten sie eine Zappelpuppe
mit Lippen, die richtig plappern konnte. Natürlich kostete sie ein
Vermögen, aber als die Puppe fertig war, da war sie tatsächlich eine
Schlappersteppenstoppeltrappergrippenkuppeltreppenlappensup-
penseppelkappenschüppelschnippelmappenschuppenrappeldop-
pelrüpeltruppenknüppelhoppelgruppenlippenplapperzappelpup-
pe, also ein wahres Wunderwerk.
Diese Puppe schickten sie, weil sie inzwischen selber zu schüch-
tern waren, zu dem alten Lappen, der noch immer auf der Treppe
zur Kuppel saß, und sie teilte ihm mit: "Du bist eigentlich an allem
schuld, denn mit dir hat das Unheil angefangen. Hättest du nicht
die Suppen vom Seppel gegessen ... "
Da sagte der Lappe: "Halt deine Klappe!"
Er hatte einfach keine Lust, sich das alles noch einmal anzuhö-
ren. Er hätte natürlich richtiger sagen müssen: Halt deine Schlap-
persteppenstoppeltrappergrippenkuppeltreppenlappensuppensep-
pelkappenschüppelschnippelmappenschuppenrappeldoppelrüpel-
truppenknüppelhoppelgruppenlippenplapperzappelpuppenklap-
pe, um ganz genau zu sein, aber er wollte sich nicht so sehr an-
strengen, darum fügte er nur noch hinzu: "Was du da sagst, ist mir
völlig schnuppe. Es ist mir sogar mehr als schnuppe, es ist mir
ehrlich gesagt schlappersteppenstoppeltrappergrippenkuppeltrep-
penlappensuppenseppelkappenschüppelschnippelmappenschup-
penrappeldoppelrüpeltruppenknüppelhoppelgruppenlippenplap-
perzappelpuppenklappenschnuppe!"
Und damit aß er einen Happen von seiner Suppe. Aber fragt
mich jetzt bitte nicht, was das für ein Happen war.